RE: Musik aus den 90er

#1 von jensen , 14.11.2014 23:06

Hier mal was musikalisches:
https://www.youtube.com/watch?v=6DbfxHTHswo

Mortiis Debutalum, das Beste, wie ich finde! Lässt Stimmung allmählich kommen, dann ist man drin und zu Haus...

Was haltet ihr davon?


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RE: Musik aus den 90er

#2 von Bruder Eberhard , 15.11.2014 22:25

Hehe, diese Scheibe kenne ich natürlich auch noch!

Ja, sie ist zwar kompositorisch relativ schlicht, aber tatsächlich ziemlich stimmungsvoll. Gefällt mir sehr gut. Die zweite MORTIIS, "Ånden som Gjorde Opprør", hat nicht mehr die gleiche Atmosphäre.

Seit Jahren höre ich fast nur noch alle Arten von Klassik (aber auch anderes), aber manchmal lege ich schon noch den alten Stoff auf. Mir gefällt auch immer noch "Fjelltronen" von WONGRAVEN von 1995, also etwa aus der gleichen Zeit wie die erste MORTIIS. Geht in eine ähnliche Richtung:
http://www.youtube.com/watch?v=N_L2QCBKOeE

Auf Anhieb fällt mir auch noch die CD "Hammer of the north" eines gewissen Jim Kirkwood ein, der mir ansonsten völlig unbekannt ist. Es handelt sich dabei um melodiöse, atmosphärische Synthesizer-Musik mit heidnischer Stimmung.



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RE: Musik aus den 90er

#3 von Bruder Eberhard , 16.11.2014 17:17

Oder PERUNWIT aus Polen mit ihrem Debüt "W kr?gu d?bów" (= "Im Ring der Eichen"), ebenfalls aus dem Jahre 1995. Es handelt sich dabei um heidnischen Ambient/Folk. (Perun ist der altslawische Donnergott.) Einige Stücke darauf hören sich - trotz schlechter klanglicher Produktion - dermassen stimmungsvoll an, als ob einem ein Windhauch der alten Waldgötter sanft ins Gesicht wehen würde, und einem steigt im Geiste die hölzerne Tempelburg des vierköpfigen Gottes Swantewit von Arkona auf der Ostseeinsel Rügen wieder empor (welche erst im Jahre 1168 zerstört wurde!).

Ganzes Album:
http://www.youtube.com/watch?v=uEa2HEEbtU4

Meine Lieblingsstücke darauf sind "Arkona":
http://www.youtube.com/watch?v=kxZxaANf-zQ

Das Titelstück "W kr?gu d?bów":
http://www.youtube.com/watch?v=W2Wy_Sf2428

Und vor allem das klanglich völlig einzigartige "Le?ny duch":
http://www.youtube.com/watch?v=v2P0NLMFdsE


Aus dem tiefsten damaligen Musik-Underground hätten wir auch noch das Demo "Dykras" von WEJDAS aus Litauen, ebenfalls aus dem Jahre 1995 (scheint ein ergiebiger Jahrgang gewesen zu sein...). Experimenteller heidnischer Ambient. In Litauen und Lettland sind ja das dortige baltische Heidentum und die alten Götterkulte heutzutage wieder ziemlich populär und weitläufig anerkannt (u.a. durch die litauische Romuwa-Bewegung). Da das Heidentum bei der dortigen ländlichen Bevölkerung noch vor rund 500 Jahren relativ existent war, haben auch die heutigen Balten es leichter, wieder Anschluss daran zu finden, zumal es dort sehr stark mit Folklore und volkstümlichen Festen verbunden ist:
http://www.youtube.com/watch?v=D9fzabkdaLw


Doch es muss festgehalten werden, dass ALLE diese atmosphärischen Ambient- und Folk-Musiker - egal ob MORTIIS, WONGRAVEN aus Norwegen oder all die heidnischen Polen - damals massiv von dem relativ berühmten anglo-irisch-australischen Duo DEAD CAN DANCE beeinflusst waren. (Deren Sängerin Lisa Gerrard mit ihrer Feenstimme erreichte wohl endgültig den "Olymp", als sie die Hälfte des Filmsoundtracks zu "Gladiator" beisteuerte.) Sämtliche Alben und Stücke von DEAD CAN DANCE seit deren Debüt von 1984 klingen völlig unterschiedlich, schwanken aber zumeist zwischen (ursprünglich) stimmungsvollem Wave-Pop, später vor allem eher keltisch, orientalisch, Mittelalter, Ethno, Folk, Ritual und sphärischen Feenchören. Am "Heidnischsten" klingt vielleicht deren Album "The Serpent's Egg", aber auch die anderen wie "Spleen and Ideal", "Within the Realm of a Dying Sun", "Aion" (!) oder die Comeback-Scheibe "Anastasis" halte ich für überaus gelungen.


Einer jener heidnischen Folk-Musiker aus oben genannten Kreisen erzählte mir mal persönlich, sie seien damals um 1995 herum insgeheim auch ziemlich vom Soundtrack der britischen Fernsehserie "Robin of Sherwood" aus den 80er Jahren beeinflusst gewesen. In dieser Serie wurde Robin Hood mit seinen Leuten erstmals als heidnische Anhänger des Waldgottes, bzw. Schamanen Herne der Jäger dargestellt. Der Soundtrack stammte von der experimentellen und progressiven Folk-Band CLANNAD aus Irland:
http://www.youtube.com/watch?v=rtu8o6yc5jA

Ja, wenn es um heidnische Klänge geht, kann ich sehr wohl aufblühen...



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RE: Musik aus den 90er

#4 von Kolag_Hraban , 16.11.2014 18:36

Hey super,

ich bin immer auf der suche nach für mich neuer heidnischer Musik.

Vielen Dank Euch für die Tips. Die Stücke kannte ich noch nicht.

Mortiis Debutalum - das gefällt mir gut - sehr schön um zur ruhe zu kommen und die Gedanken fliegen zu lassen.

W kr?gu d?bów - gefällt mir auch gut !!

Und die Musik von Clannad kenne sogar ich

Generell höre ich eigentlich fast alles.
Ich habe im Moment eine Phase, in dem ich sehr gerne Skandinavischen Folk gerne auch mit schamatischem Einfluss höre.
Gerne auch mal so richtig archaisch.

Mein neuste Entdeckung ist Hedningarna. das ist eine schwedisch-finnische Pagen-Folk Band. Der Name der Band soll "Heiden auf finnisch bedeuten.
Sehr rhythmische Musik mit Nord-Skandinavischen Einflüssen:

Kleine Hörprobe gefällig ?

https://www.youtube.com/watch?v=cARpIQvGVbA

https://www.youtube.com/watch?v=CCHceyuKhFM

https://www.youtube.com/watch?v=_W5QVUYt5Wo

https://www.youtube.com/watch?v=W5FmilNN5ys


PS: Die Stücke sind ebenfalls in den 90ern veröffentlicht


Grüsse Kolag Hraban



www.AsatruSchweiz.ch

 
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RE: Musik aus den 90er

#5 von jensen , 16.11.2014 19:35

Soviel neue Musik Danke! - Glücklicherweise kenn ich ein paar der genannten. Das erspart etwas....
Zum Beispiel Wongraven - ein Meisterwerk Satyrs (Satyricon)

Jim Kirkwood - erinnert mich an Tangerine Dream, kannte ich bis JETZT nicht-> Danke.
Auch für die Hintergründe zu den anderen Bands.

In der Aufzählung der 90er fiel mir vorhin während eines Spaziergangs Empyrium ein, die aus dem aus sehr atmosphären "Black" Metal rein acoustisch wurden und bis zum Album Weiland ein stetiger Begleiter waren. Auch wenn Weiland( hab sie damals auf dem WGT 2001 von Schwadorf signiert gekauft) ein sehr gutes Album mit 3 Akten ist, hab ich sie irgendwann um 2006 aus den Augen/ Ohren verloren. Wollten ja, meines Wissens nach, auch nix mehr machen.Bis zu diesem Jahr. Es gibt ein neues Album: "The turn of the Tides"
https://www.youtube.com/watch?v=zsrqSq1SSeM

Und dann sah ich dass sie 2011 den ersten Auftritt auf dem WGT (Warum war ich nicht dort???) hatten:
https://www.youtube.com/watch?v=4DiqesgVt60

Kann beides jetzt mein Eigen nennen und habe somit wieder alle Alben

Ein weniger angenehmes Hören der musikalischen heidnischen Zunft ist Andrea Haugens (Hagalaz Runedance) Nebenprojekt Aghast - Hexerei im Zwielicht der Finsternis.
https://www.youtube.com/watch?v=kFADyFlDLXs
Gehört aber auch in die 90er Sparte

Jetzt fällt mir noch "The Moon lay hidden beneath the clouds" ein - ein Künstler (Albin Julius), der dort guten Ambient-Industrial machte, später aber mit "Der Blutharsch" militaristischer wurde...

So jetzt ist es noch mehr Musik


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RE: Musik aus den 90er

#6 von Bruder Eberhard , 16.11.2014 20:51

Diese finnischen HEDNINGARNA waren mir bisher völlig unbekannt, aber es gefällt mir.

Irgendwie fällt mir dadurch grad das Debüt von GARMARNA aus Schweden ein; zwar ein bisschen anders, jedoch ebenfalls aus den 90ern:
http://www.youtube.com/watch?v=sBRtx9h4oyc

Aha, laut Youtube gibt es noch viel mehr Stoff von GARMARNA aus den 90ern, den ich noch gar nicht kenne...


Dann wären da im heidnischen Folk/Ambient-Bereich noch LORD WIND aus Polen zu nennen mit dessen Debütalbum "Forgotten Songs" aus dem Jahre 1995. (Schon wieder! Aber so weit ich mich erinnere, lag im Jahre 1995 tatsächlich eine ganz besonders intensive heidnische Grundstimmung in der Luft...) Schade, ich finde davon grad nicht das ganze Album (wobei die CD teilweise von der Erstveröffentlichung auf Kassette abwich).


Und ganz etwas anderes Heidnisches:

Das professionelle, am Konservatorium ausgebildete Mittelalter-Ensemble SEQUENTIA aus England versuchte auf ihrem Album "Edda" aus dem Jahre 1999 professionell zu rekonstruieren, wie die Lieder der Edda (u.a. Völuspá) in der Wikingerzeit im epischen und skaldischen Stil vorgetragen worden sein könnten. Neben den teilweise mehrstimmigen Gesängen ist die intrumentale Begleitung jedoch minimalistisch gehalten, nämlich nur mit jeweils einer Leier oder einer Fiedel:
http://www.youtube.com/watch?v=MnSRV-4y8...660D08356C193EE


Ja, von HAGALAZ RUNEDANCE kenne ich die erste auch noch. Mir war dem Namen nach auch ihr Nebenprojekt bekannt. Von Albin Julius wusste ich nicht, dass er mit THE MOON LAY HIDDEN BENEATH THE CLOUDS zu tun hatte. Aber in diese Richtung, also Neofolk-Musik, gibt es in heidnischer Hinsicht (unter Vorbehalt!) ja noch andere interessante Dinge, wie die zutiefst heidnischen CDs von WALDTEUFEL.


Aber wenn es hier plötzlich um Pagan Metal, Viking Metal oder Folk Metal aus den 90er Jahren gehen sollte, dann nenne ich - als verbliebenes "Fossil" - nach wie vor an erster Stelle den wahren Begründer und Wiedererwecker des Heidentums in der Musik, nämlich Quorthon (R.I.P.) von BATHORY aus Schweden mit seinen beiden stimmungsvollsten Alben:

BATHORY - "Hammerheart" (1989/90):
http://www.youtube.com/watch?v=CiQyPOrTNHk

http://www.youtube.com/watch?v=TIXWdwxfaYE

BATHORY - "Twilight of the Gods" (1991):
http://www.youtube.com/watch?v=QvEBMsXEWgM

http://www.youtube.com/watch?v=NyN83fVukEo

"Blood on Ice" fand ich schwächer als diese beiden Scheiben.


Des weiteren nenne ich noch ein paar weitere unter den wahrhaftig stimmungsvollen Pagan/Viking/Folk-Metal-Bands von echt heidnischem Geiste aus den 90ern, so verschieden sie untereinander klingen mögen, wobei ich jetzt nicht extra nach den Links suche:

BORKNAGAR (Norwegen) - "The Olden Domain"
CRUACHAN (Irland) - "Tuatha na Gael"
ENSLAVED (Norwegen) - "Hordanes Land", "Vikingligr Veldi", "Frost", "Eld", "Blodhemn"
FALKENBACH (Deutschland) - "...en their medh riki fara...", "...magni blandinn ok megintiri..."
IN THE WOODS... (Norwegen) - "HEart of the Ages"
ISENGARD (Norwegen) - "Vinterskugge", "Høstmørke"
IUVENES (Polen) - "Riddle of Steel"
HA LELA (Litauen) - "Pabudimas"
HELHEIM (Norwegen) - "Jormungand"
KAMPFAR (Norwegen) - "Mellom Skogledde Aaser", "Fra Underverdenen"
SKYFORGER (Lettland) - "Kauja pie Saules"
STORM (Norwegen) - "Nordavind"
ULVER (Norwegen) - "Bergtatt", "Kveldsanger"



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RE: Musik aus den 90er

#7 von jensen , 16.11.2014 21:28

So jetzt höre ich Wejdas' Demo - gefällt mir, auch Perunwit ist meiner heutigen Stimmungsalge entsprechend (Wenig Rhythmus, mehr Atmosphäre)

HEDNINGARNA hab ich ein Lied gehört und muss sagen, dass es super klingt, aber heute nicht den Weg in die Playlist findet .
Mit den all hier genannten hab ich jetzt mind. 1 Woche etwas zu erleben.

Und die Aufzählung von dir, Ansgisel,:

Zitat von jensen
BORKNAGAR (Norwegen) - "The Olden Domain"
CRUACHAN (Irland) - "Tuatha na Gael"
ENSLAVED (Norwegen) - "Hordanes Land", "Vikingligr Veldi", "Frost", "Eld", "Blodhemn"
FALKENBACH (Deutschland) - "...en their medh riki fara...", "...magni blandinn ok megintiri..."
IN THE WOODS... (Norwegen) - "HEart of the Ages"
ISENGARD (Norwegen) - "Vinterskugge", "Høstmørke"
IUVENES (Polen) - "Riddle of Steel"
HA LELA (Litauen) - "Pabudimas"
HELHEIM (Norwegen) - "Jormungand"
KAMPFAR (Norwegen) - "Mellom Skogledde Aaser", "Fra Underverdenen"
SKYFORGER (Lettland) - "Kauja pie Saules"
STORM (Norwegen) - "Nordavind"
ULVER (Norwegen) - "Bergtatt", "Kveldsanger"



Bathory, Cruachan, Enslaved, in the woods, Isengard, Storm hatte ich auf Kassetten, die ich 2010 vernichtet habe...
Nunja, hab mich Ende der 90er weitgehend vom Metal distanziert. Wobei Storm und Isengard da weniger zu finden sind.
Auch bei Cruachan und in the Woods mag ich mich erinnern, dass sie sehr melodisch sind/ waren.Oder? Ewig nicht gehört und will jetzt Wejdas nicht stoppen...
Vielleicht höre ich auch diese mal wieder

Ja, der Neofolksektor hat einiges zu bieten. Fire and Ice (Ian Read = ex Di6 ) und natürlich Death in June (1981 gegründet - Rose Clouds of Holocaust übrigens 1995 erschienen). -> Vorbehalt

Waldteufel sagt mir was, auch lange nicht gehört.
Hab da eher die neuere Generation wie Nebelung, Dies Natalis, Leger des Heils, Hekate, Sonne Hagal gehört
(Aber die sind, glaube ich, um die Jahrtausendwende gegründet)


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RE: Musik aus den 90er

#8 von Bruder Eberhard , 25.11.2014 18:54

Zeit ist's, hier wieder einmal einmal etwas zum Thema heidnische Musik zu schreiben...

Bedauerlicherweise sagen DEATH IN JUNE mir rein musikalisch nicht sonderlich zu. Da ziehe ich aus dem Neofolk-Bereich (im weitesten Sinne) komischerweise sogar ALLERSEELEN vor...

Ja, WALDTEUFEL, welche ebenfalls dem Neofolk-Sektor zugerechnet werden, dürften für Heiden ganz allgemein interessant sein. Da die Alben von WALDTEUFEL jedoch allesamt aus diesem Jahrtausend stammen, nämlich "Heimliches Deutschland", "Rauhnacht" und "Sanguis", stelle ich keine Links zu ihnen in diesem 90er Thread.


Aber ich bin so frei, Kurzbeschreibungen zu den wichtigsten der von mir oben genannten Metal-Veröffentlichungen beizufügen:

BORKNAGAR - "The Olden Domain" (Norwegen, 1997)
Zweites Album dieser Band mit Session-Musikern u.a. von ENSLAVED und ULVER. Sehr origineller, melodiöser, nordischer Pagan Metal in der Schnittmenge zwischen anspruchsvollerem Black Metal und altem Heavy Metal; Klar- UND Kreischgesang; sehr atmosphärisch und vollgespickt mit völlig eigenständigen Melodien, die unter die Haut gehen. Später haben BORKNAGAR dieses Level glaub's nicht mehr erreicht.

CRUACHAN - "Tuatha na Gael" (Irland, 1995)
Allererstes Album, auf welchem Black Metal mit reinstem Irish Folk à la THE CHIEFTAINS und echten, alten irischen Volksweisen vermischt wurde - mitsamt Flöten, Tröten und allem; sehr altertümlich! Die Texte behandeln weitestgehend Themen aus der altirischen Mythologie. Damals fand ich's höchst stimmungsvoll. Doch im Laufe der Jahre kann das weitgehend monotone und ewig gleiche Irish Folk-Gedudel einem auch auf die Nerven gehen.

ENSLAVED - "Frost" (Norwegen, 1994)
Zweites Album der Speerspitze des norwegischen Viking Metals. Schwankt zwischen aggressiver Black-Metal-Raserei mit eigenständigen, zutiefst nordischen Riffs sowie ruhigeren Experimenten; hie und da wikingerhafter Klargesang. Die Texte behandeln teilweise mythologische Themen aus der Edda. ENSLAVED schlugen auf späteren Alben einen teilweise noch progressiveren und experimentierfreudigeren Weg ein und bezogen sogar Einflüsse von PINK FLOYD mit ein.

FALKENBACH (Deutschland) - "...en their medh riki fara..." (1996), "...magni blandinn ok megintiri..." (1997)
Eine Ein-Mann-Band mit Drum-Computer. Schwankt zwischen stimmungsvollem Black Metal der leichteren Art, epischen Hymnen mit Klargesang und Flötenklängen sowie hochoriginellen, elfenhaften Folk-Melodien. Bei Liedern wie "Heathenpride" sollte man unbedingt reinhören! Der Musiker hinter FALKENBACH hat sich von Anfang an als überzeugter, gläubiger Asatrú-Anhänger mit gemässigten Ansichten geoutet.

IN THE WOODS... - "HEart of the Ages" (Norwegen, 1995)
Schwierig, etwas zu diesem Album zu sagen... Schwankt zwischen langatmigem, aber eigenständigen Black Metal, Passagen mit Klargesang und atmosphärischen Experimenten. Auf dem nachfolgenden zweiten Album machten IN THE WOODS... enttäuschenderweise nur noch durchschnittlichen Gothic Metal der biederen Art.

ISENGARD - "Høstmørke" (Norwegen, 1995)
Zweites Album dieses Ein-Mann-Nebenprojektes von Fenriz von DARKTHRONE. Ein früher Meilenstein des melodiösen Folk-Metals! Urwüchsiger, primitiver Klang; dominanter Bass sowie aus voller Brust hymnenhaft gesungener Bariton-Gesang. Ein paar Experimentalstücke zwischendrin, z.B. ein reines Gesangsstück. Das viel zu kurz geratene Meisterwerk wird abgeschlossen mit zwei aggressiven Black-Metal-Stücken.

KAMPFAR (Norwegen) - "Mellom Skogledde Aaser" (1997), "Fra Underverdenen" (1999)
Der Bandname soll ein alter norwegischer Kampfruf für Odhinn sein. Sehr stimmungsvolle, eigenständige Form von Black Metal, zumeist eher schnell, mit einer ziemlich nordischen, naturmystizistischen und trollhaften Stimmung; aufgelockert mit gelungenen Folk-Melodien; bei Zwischenstücken auch mal mit Wikingerchören.

STORM - "Nordavind" (Norwegen, 1994)
Einmaliges Nebenprojekt von Fenriz von DARKTHRONE und Satyr von SATYRICON / WONGRAVEN, wobei sich die Sängerin Kari Rueslåtten mit ihrer Feenstimme noch ein bisschen eingebracht hat. Insgesamt ist dieses Album am ehesten mit "Høstmørke" von ISENGARD vergleichbar, allerdings besser produziert. Es handelt sich weitestgehend um einfache, aber kernige Metal-Versionen von alten norwegischen Volksliedern über Wälder, Berge und Trolle; wie ISENGARD ebenfalls mit aus voller Brust gesungenem Bariton-Klargesang.

ULVER - "Bergtatt" (Norwegen, 1994)
Das Debütalbum dieser Band ist schon wieder ein Beispiel für die hochoriginelle Experimentierfreudigkeit einzelner norwegischer Musiker. (Zumal wenn man bedenkt, wie jung die damals alle noch waren, teilweise alle noch unter 20!) Dieses Album schwankt irgendwie zwischen lockerem, melodiösen Folk-Metal mit Klargesang und einer verwunschenen, trollhaften Stimmung sowie aggressiveren Black-Metal-Stücken mit Kreischgesang. Zwischendrin ertönen Auflockerungen mit akustischen Gitarren und Flöten.
(Auf dem zweiten Album, "Kveldsanger", liessen ULVER das Schlagzeug und die E-Gitarren ganz weg und liessen ausschliesslich akutische Gitarren und Klargesang erklingen. Das dritte Album, "Nattens Madrigal", war wiederum das genaue Gegenteil: wüst und klirrend produzierter, extrem aggressiver, roher Black Metal. Danach ("William Blake - The Marriage of Heaven and Hell") wandten sich ULVER überraschend dem experimentellen Pop / Elektro zu. Und heute werden sie im weitesten Sinne dem Neofolk zugerechnet, wobei ihre heutigen Inszenierungen beinahe opernhafte Dimensionen annehmen sollen; aber ich habe das alles nicht mehr verfolgt.)


Eigentlich gäbe es noch mehr wichtige frühe Pagan-Metal-, Viking-Metal- und Folk-Metal-Veröffentlichungen aus den 90er Jahren. Aber da einige jener Bands als ideologisch kontrovers gelten, lasse ich es hier lieber bleiben...

Nur eine CD davon, die rein musikalisch noch unbedingt an dieser Stelle zu nennen wäre:
Das Album "T. S." von der Band G. aus Polen (1995). (Kenner wissen sowieso, was gemeint ist ) Es handelt sich dabei um höchstoriginelles, stimmungsvolles Pagan-Black-Metal-Geklapper mit heidnischen Folk-Riffs auf dünnen E-Gitarren, untermalt von eigenwilligen, scheppernden Galopp-Rhythmen. Insgesamt klingt dieses Album zutiefst hinterwäldlerisch und archaisch. Allen Kritikern und Nörglern zum Trotz wurden damit musikalisch neue Massstäbe gesetzt.


Es muss jedoch abermals betont werden, dass bezüglich Viking Metal und heidnischem Metal überhaupt KEIN WEG an BATHORY aus Schweden vorbeiführt! ALLE hier genannten Bands waren damals mehr oder weniger zutiefst von BATHORY, den ersten Wegbereitern, beeinflusst. Allerdings vollzog der Kopf hinter BATHORY, Quorthon, der 2004 völlig überraschend verstorben ist, im Laufe seiner Musikkarriere einige radikale Stilwechsel: Vom Begründer des aggressiven, eigentlichen Black Metals in den 80ern hin zum epischen, getragenen, bombastischen Viking Metal mit Chören und akustischen Gitarren, wobei Quorthon keinen Hehl daraus machte, wie stark er von Richard Wagner beeinflusst war. Allerdings darf man bei BATHORY auf gar keinen Fall bei einem x-beliebigen Album reinhören! Einige Werke des Meisters sind nämlich auch einfach nur schlecht oder sogar hundsmiserabel!

Für Freunde heidnischer und epischer Klänge, die gerne mal bei BATHORY ein Ohr riskieren möchten, gelten die Alben:
"Hammerheart", "Twilight of the Gods" sowie allenfalls noch "Blood on ice"!

(Und für die Freunde des aggressiven, rohen und zugleich leidenschaftlichen Black Metals führt KEIN WEG an "Under the sign of the black mark" von BATHORY aus dem Jahre 1986 vorbei!)


BATHORY haben im Laufe ihrer Karriere nur einen einzigen Video-Clip angefertigt, aber immerhin! "One rode to Asa Bay" ist das ziemlich episch gehaltene letzte Lied auf dem Album "Hammerheart". Das Video aus dem Jahre 1990 war mit weitem Abstand das allererste Metal-Video überhaupt, welches heidnische Themen aufgriff und in welchem in epischer Weise Wikinger dargestellt wurden (es geht um das Erscheinen der ersten christlichen Missionare im heidnischen Skandinavien), womit es in diesem Forum mit Sicherheit goldrichtig aufgehoben ist:

https://www.youtube.com/watch?v=hDpc-831GPs

Und noch eine andere Version des gleichen Videos, bei dem vorab das Intro des Liedes vom Album erklingt, wobei zum Intro nichts gedreht wurde; mir laufen beim Anhören dieser Einleitung nach all den Jahrzehnten jedoch noch immer heidnische Schauer den Rücken runter:

https://www.youtube.com/watch?v=eAQs7-gzlz0



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RE: Musik aus den 90er

#9 von Bruder Eberhard , 27.11.2014 21:18

Nachtrag:

Selbstverständlich gab es schon in den 80er und sogar 70er Jahren einzelne Bands aus den Bereichen Hard Rock oder Heavy Metal, die sich in einzelnen Liedern mit heidnischen Stoffen oder nordischer Mythologie beschäftigten. Manche würden da vielleicht MANOWAR erwähnen, die mir aber musikalisch noch niemals zugesagt haben. Und LED ZEPPELIN hatten bereits auf ihrem dritten Album Anno 1970 einen kultigen "Immigrant Song", in welchem es um Wikinger geht.

BLACK SABBATH widmeten 1990 praktisch ein ganzes Album, nämlich "Tyr", der nordischen Mythologie. Allerdings stammt dieses Album aus einer Bandphase mit dem bereits vierten Sänger, einem gewissen Tony Martin, für die sich heutzutage kaum einer noch interessiert, so dass diese Scheibe ziemlich in Vergessenheit geriet. Dabei nahm das sehr schön gestaltete Cover-Artwork (u.a. mit Runen) bereits um etliche Jahre den ganzen Pagan Metal vorweg. Es erscheinen Songtitel wie: "The Battle of Tyr", "Odin's Court" und "Valhalla", interessanterweise aber auch "Jerusalem". Die Musik klingt über weite Strecken tatsächlich ziemlich episch, nur im Stück "The Sabbath Stones" ertönt ein typisches Tony-Iommi-Riff der alten Schule.

Musikhistorisch gilt es jedoch von jeher als unbestrittene Tatsache, dass keine andere Band als erste die Tür dermassen stark zur nordischen Mythologie, zur Wikinger-Romantik und zu einem heidnischen Glaubensbekenntnis aufgestossen hat, wie BATHORY ab ihrem vierten Album "Blood Fire Death" (1988), welches allerdings weitgehend noch eher schnell und aggressiv war, im Gegensatz zum nordisch-bombastisch-epischen Nachfolger "Hammerheart". Übrigens glaube ich mal aufgeschnappt zu haben, dass Quorthon von BATHORY zumindest phasenweise mal einer schwedischen Asatrú-Gruppe angehört haben soll.



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#10 von jensen , 12.02.2015 19:59

https://www.youtube.com/watch?v=vvFD7urcHZE

immer wieder gerne von mir gehört. Die Seele dieser Musik ist so genial. Doch der Name/ die Band Death in June polarisiert...
Aber dieses Lied, die Tiefe des Textes passt irgendwie hier hinein...

Ausserdem ist das Album 1992 veröffentlicht worden


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#11 von Bruder Eberhard , 24.07.2016 18:48

Liebe Forengemeinde,

dieser Thread hier ist einer der vielen in diesem Forum, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen! Hier gibt es wertvolle Hinweise zu (neu-) heidnischen Klängen aus ihrer frühen Pionierzeit in den seligen 90er Jahren, als diesbezüglich alles noch viel experimenteller, inspirierter, stimmungsvoller, atmosphärischer und mystischer war (z.B. sogenannter "Pagan-Occult-Wurzelwerk-Ambient").

Wenn ich mir grad keine Klassik oder Romantik anhöre, sondern ausnahmsweise wieder mal eine der oben genannten frühen Werke aus den Bereichen Pagan Metal, Viking Metal oder Folk Metal aus den 90ern auflege, dann wird mir ganz warm ums Herz und mir laufen - umweht von einer heidnischen Brise - wohlige Schauer den Rücken runter, weil diese Klänge zumindest über weite Passagen wirklich von den Göttern inspiriert waren!


Vom polnischen Pagan-Ambient-Projekt PERUNWIT ist auf Youtube nun folgender Link zum Album "W kr?gu d?bów" ("Im Kreis der Eichen") aus dem Jahre 1995 abrufbar:

https://www.youtube.com/watch?v=17Q5YHF8SuE


Vielen Dank auch Euch allen für Eure hervorragenden Tips in diesem Thread (und in anderen)!

Übrigens arbeite ich für dieses Forum (aus sinnloser Besessenheit?) an einer umfangreicheren Übersicht zum Urvater und Begründer allen Pagan und Viking Metals, nämlich BATHORY.



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RE: Musik aus den 90er

#12 von jensen , 07.09.2016 15:36

Wenn dies Thema schon wieder mehr in Vordergrund kommt nutze ich es gleich um von einem Geschenk eines Freundes zu berichten.
Manchen mag die Band Current 93 ein Begriff sein. Jenen nicht, denen sei gesagt dass der Neofolk ohne sie nicht der geworden wäre, der er heute ist.

Aber dies soll ein anderes Thema sein. Vielmehr brachten sie im Jahre 1990 eine CD heraus, die eine Lesung oder eher mantrischen Vortrag mit Sveinbjörn Beinteinsson, dem wohl wichtigsten Kopf im islandlänischen Asatru, beinhaltet.
Ich darf sie nun mein Eigen nennen . Auch wenn es keine "normale" Musik ist, möchte ich es hier posten, da es irgendwie hierhin passt.

Hier erst einmal etwas über die CD: https://www.amazon.de/Current-93-Present...n/dp/B00000G6LZ

und hier zum isländischen, z. Bsp der Völuspa

https://www.youtube.com/watch?v=NCXKF2xwh3Y

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