RE: Vorstellung Arianne und 1. Frage

#1 von Arianne , 19.03.2017 14:04

Hallo zusammen,
Seit einiger Zeit bin ich schon stiller Mitleser hier im Forum. Nun habe ich mich dazu entschieden, mich anzumelden.

Ich nenne mich hier Arianne, bin Schülerin aus der nördlichen Schweiz und beschäftige mich nun seit ca. einem halben Jahr mit den Göttern etc.
Vor ungefähr einem Jahr kam ich zum erstenmal im Rahmen eines Schulvortrags über Vikinger bewusst in Berührung mit der nordischen Mythologie und der nordischen vorchristlichen Religion. Es interessierte mich sehr und ich begann auch etwas darüber zu recherchieren, aber irgendwie habe ich mich schon bald mit etwas anderem beschäftiget.
Vor einem halben Jahr kam ich dur Musik (Metal) wieder auf das Thema zurück und recherchierte wieder. Diesmal aber deutlich fokussierter und ausdauerner.
Ich hatte das Gefühl, eine Religion (?) gefunden zu haben, welche sehr gut zu meinen Ansichten und Vorstellungen passt und mir erlaubt, dass zu glaben, das ich sehe und fühle und mir trotzdem einen gewissen Rahemen gibt. Seit dann trage ich einen Mjölnir um den Hals, den ich seither immer anhabe und der rgendwie eine gewisse Ruhe gibt.
Einige Wochen später hatte ich eineArt "Begegnung" mit den Göttern und fand einen Platz an dem ich mich immer beruhige und meine "Verbindnung" zu der Natur wiederfinde.
Seitdem bin ich merklich zufriedener.

Nun würde bei mir theoretisch die Kofirmation anstehen. Das will ich natürlich auf keinen Fall, aber dazu muss ich meinen Verwandten erklären können warum nicht. Wenn ich "es" versuche zu erklären fehlen mir immer die Worte und ich weiss nie, wo anfangen. Dazu kommt noch, dass meine Grossmutter eine (mehr oder weniger) überzeugte Katholikin ist und dass mein Vater irgenwie das Gefühl hat, alle Asatruar wären irgenwie rechtsextrem, rassistisch und/oder völkisch. Ich habe keine Ahnung, wie ich denen das erklären soll. Habt ihr vielleich irgendwelche Tipps?

Viele Grüsse,

Arianne

Ps. Ich hoffe, es stört nicht, dass ich nicht besonders viele Informationen über mich preisgebe, aber ich bin in foren in dieser Beziehung halt eher zurückhaltend

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RE: Vorstellung Arianne und 1. Frage

#2 von Bruder Eberhard , 20.03.2017 16:05

Da es noch keiner gemacht hat, übernehme ich den Part:


Hallo Arianne und herzlich willkommen in diesem Forum!

Besten Dank für Deine Vorstellung, die ich interessant finde, vor allem das mit Deinem persönlichen Platz in der Natur.

Deine Frage ist für mich nicht ganz einfach zu beantworten, da jegliches Argumentieren bei mir selber eher eine Schwachstelle ist und ich zeitlebens mich auch noch niemals ernsthaft in einem solchen Dilemma befand.

Daher weiss ich nicht, ob das Folgende als Argument taugen würde, oder ob ich nicht wieder einmal weit über das Ziel hinausschiesse: Aber mir fällt grundsätzlich auf, dass ausnahmslos ALLE Religionen heutzutage sämtliche Abstufungen von lichtvollen Höhen bis leider hin zu finsteren, verbrecherischen Verirrungen kennen. (Diesbezüglich halte ich es für wichtig, sich täglich auch in Selbstkritik und -reflexion zu üben.) Die Fundamentalisten bzw. "Salafisten" des germanischen Heidentums sind heutzutage die Rechtsextremisten, welche insgesamt jedoch sicherlich nur eine eher kleine Minderheit stellen. Bei Asatru Schweiz werden solche Fundamentalisten gemäss Vereinsstatuten kategorisch ausgeschlossen.

Der Rechtsextremismusvorwurf ist genauso, als ob man allen Katholiken pauschal vorwerfen würde, Anhänger der Inquisition, des Opus Dei oder der mittelalterlichen Völkermorde an heidnischen Volksstämmen in Mittel-, Nord- und Nordosteuropa zu sein. Ein solch pauschaler Vorwurf ist natürlich Unsinn, denn ein harmloser, friedlicher katholischer Laie, der sich bloss nach Heiligkeit sehnt und vor einer Marienstatue den Rosenkranz runterbetet, denkt zumindest in einem solchen Augenblick wohl kaum daran, wie er andere Menschen foltern könne. Genausowenig sind alle Muslime Salafisten. (Man denke beispielsweise an die zumeist herzensoffenen Anhänger der Sufi-Mystik.)

Solche Argumentationsketten und Vergleiche können jedoch möglicherweise nicht bei Menschen greifen, die ihr ganzes Leben lang nichts anderes als das Christentum gekannt haben und bei denen alles andere, zumal so etwas "Exotisches" wie Asatru, gar nicht auf dem "Radar" existent ist. Gegenüber solchen lieben Mitmenschen ist es vielleicht angebracht, dass man zunächst einmal sich selbst dazu überwindet, offen und ehrlich den persönlichen Respekt gegenüber deren Glauben zum Ausdruck zu bringen, um erst danach um Verständnis zu bitten, dass man sich selber halt zu einer anderen Glaubensrichtung hingezogen fühlt.

Und wie gesagt: Bei Asatru Schweiz haben Rechtsextremisten, Rassisten oder Völkischgesinnte keinen Platz!

Hoffentlich konnte ich irgendwie zumindest ein bisschen helfen...

Grüsse
Eberhard

Könnte vielleicht jemand anders bitte zusätzlich einen alltagstauglicheren Rat geben?



"Die Götter ermahnen uns, die strahlende Form des Lichtes zu verstehen."

Proklos

 
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RE: Vorstellung Arianne und 1. Frage

#3 von Kolag_Hraban , 20.03.2017 21:56

Hallo Arianne,

zunächst einmal vielen Dank für deine Vorstellung, die ich im übrigen sehr offen und als vollkommen ausreichend empfinde. Herzlich willkommen !

Das Problem, das du beschreibst ist natürlich ein schwieriges, da viele Erwartungen dir von deinen Verwandten entgegengebracht werden.
Sie erwarten zu deiner Konfirmation ein Familienfest, und Deine Grossmutter wünscht sich vielleicht, das der christliche Glaube in der übernächsten Generation weitergelebt wird.
Hinzu kommt dann auch noch das die Eltern nicht viel über Asatru oder Heidentum wissen, und das was man glaubt zu wissen mit der NS-Zeit verbunden ist.

Ich verstehe sehr gut, dass man da nicht weiss wie man anfangen soll.
Aber ich finde wie du es uns erklärt hast, ist doch sehr gut.
Erkläre ihnen was du empfindest, und dass du einen Glauben gefunden hast der dir gut tut, und dir etwas gibt.
In den älteren Generationen wird unser Glaube oft mit NS-Zeit assoziiert. Mit meinem Vater z.B. -und er ist 79- kann ich seit ich Asatru bin, über Glaubensfragen aus diesem Grund kaum noch diskutieren.
Aber auch die Medien bedienen dieses Klischee gerne und oft auch heute noch - auch wenn sich das langsam bessert.
Letztlich sollte man sich aber vor Augen halten, dass die NS zeit lediglich 12 Jahre dauerte, während die Wurzeln unseres Glaubens uralt sind. Die Altvorderen wussten nichts von Nazis, und sie verbanden ihren Glauben auch nicht mit einer solchen Rassenideologie.
Ich finde dies alleine macht schon deutlich wie grotesk es ist, den Glauben an die alten Götter automatisch mit der NS Ideologie gleichzusetzen.
Vielleicht hilft es auch darauf hinzuweisen dass es viele Asatru Gruppen und Vereine in vielen Ländern der Welt gibt, die diese NS Ideologie mit ihrem Glauben für unvereinbar halten.
Und in einigen Ländern ist Asatru sogar als Religion staatlich anerkannt. Wenn du recherchiert hast, ist dir das sicher schon bekannt.

Das wird sicher ein schwieriges Gespräch, und ich hoffe ich meine Antwort war hilfreich.

Die Götter mit Dir


Grüsse Kolag Hraban



www.AsatruSchweiz.ch

 
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RE: Vorstellung Arianne und 1. Frage

#4 von Debbie , 24.03.2017 12:55

Hallo und herzlich willkommen im Forum, Arianne

Schön, dass du hier mitschreibst. Das Problem, das du beschreibst, kommt mir bekannt vor: Meine Eltern sind selber so richtige Hardcore-Christen und deswegen kaum gut auf jegliche andere Religionen zu sprechen (und dann auch noch Heidentum! *Dramatische Musik* )

Was hier bereits vorgeschlagen wurde, nämlich dass du versuchst offen und aufrichtig deine Beweggründe zu erklären, ist natürlich eine Möglichkeit. Sollte der Raum dazu da sein in deiner Familie, dann tu dies, es ist ja schön, wenn man sich mitteilen kann. Allerdings darfst du nicht erwarten, dass sie dich verstehen. Wenn doch, ist das wunderbar, aber erwarten kannst du es nicht.

Vielleicht hast du noch nicht drüber nachgedacht, aber es gibt natürlich auch noch die Möglichkeit, dass du nichts erzählst. Ein Grund dafür wäre, wenn du weisst, dass es den Familienfrieden massiv (zer)stören würde.
Ich vermute, dass du noch Zuhause wohnst, also noch abhängig bist von deinen Eltern. Solltest du das Gefühl haben, dass es stark negative Folgen haben kann, wenn du deiner Familie hiervon erzählst, dann solltest du das nicht tun. Dann wäre es wahrscheinlich das Beste, mitzuspielen, bis du ausgezogen bist.
Was du schreibst, klingt zum Glück aber eher nach einer liebevollen Famile, die einfach keinen Zugang zum Thema hat.

Wenn du dir das alles gut überlegt hast und entscheidest, dich nicht konfirmieren zu lassen und deiner Verwandschaft das erklären musst, dann hast du auch verschiedene Möglichkeiten.
a) Du hältst es vage: "Ich bin spirituell auf der Suche, irgendwie kann ich im Moment nicht mit dem Herzen dabei sein, ich kann mich nicht konfirmieren lassen, weil ich es so nicht mit mir vereinbaren kann.." Die meisten Christen sind davon überzeugt, dass man mit dem Herzen dabei sein muss, damit es einen Sinn hat. Mit dieser Variante windest du dich raus, ohne konkret zu sehr ins Detail zu gehen.
b) Du versuchst zu erklären, was Asatru ist, und was es für dich bedeutet. Da du selber noch nicht besonders viel darüber weisst, ist dies natürlich schwierig, denn deine Familie ist seit Generationen christlich und du lernst Asatru gerade erst kennen, was natürlich ein Ungleichgewicht in Diskussionen schafft. Wenn du diesen Weg wählst, behalte im Hinterkopf, dass es völlig okay ist, zu sagen "Ich weiss es nicht." Auch deine Verwandten wissen nicht auf jede Frage eine Antwort, selbst wenn sie ihr Leben lang schon Christen sind.


Ich regle das Thema mit meiner Familie übrigens so, dass wir nicht darüber reden. Don't ask, don't tell. Sollten meine Eltern mich je mal direkt darauf ansprechen, werde ich sie nicht anlügen. Allerdings gewinne ich nichts, wenn ich selber hier Streit suche, da ich weiss, dass wir nie der selben Meinung sein werden. Sowieso hat das Leben ja so viele andere interessante Aspekte, die ich mit den Eltern teilen kann, da sind mir trotzdem noch nie die Themen ausgegangen.
Über meinen Glauben rede ich dann lieber mit anderen Asatruar oder anderen Freunden die offen dafür sind.


Die Sinne täuschen nicht, das Urteil trügt.

 
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RE: Vorstellung Arianne und 1. Frage

#5 von Arianne , 24.03.2017 19:12

Vielen Dank für eure freundlichen Worte.
Bei meinem Vater ist das Probliem allerdings eher, dass er eine seeehr überzeugter Atheist ist. Ich denke absolut nicht, dass er irgendein Problem damit hat/hätte, dass ich nicht christlich bin, sondern eher, dass er absolut überzeugt davon ist, dass alle auf (germanisches Heidetum spezialisierten) Heiden nazionsozialistisch/rassistisch/völkisch gesinnt sind. In von seiner Meinung abzubringen könnte sehr schwierig werden.
Wahrscheinlich lass ichs bleiben und sage (ihm gegenber) bezüglich der Konf vorerst einfach dass ich nicht an Gott glaube.

Danke für eure Hilfe!

Arianne  
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RE: Vorstellung Arianne und 1. Frage

#6 von Debbie , 25.03.2017 10:15

Klingt doch nach einem guten Plan.
Da ist dein Vater leider nicht der Einzige, mit solchen Vorstellungen.. Vom Gegenteil überzeugen geht bei sowas eh nur, indem man selber der Beweis dafür ist. Und das braucht Zeit.


Die Sinne täuschen nicht, das Urteil trügt.

 
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RE: Vorstellung Arianne und 1. Frage

#7 von jensen , 28.03.2017 09:58

Hallo Arianna,

auch von mir ein willkommen.

Ich habe die Frage, dein "Dilemma" und die Antworten gelesen und kann mich vielen Vorschlägen anschliessen, möchte jedoch noch etwas hinzufügen.

Zum einen, ist es wie Eberhard sagt, bei uns und vielen anderen, dass (Rechts-)Extreme ausgeschlossen werden. Da gibt es auch Beispiele. Da auch andere heidnische Glaubensgemeinschaften Schwierigkeiten damit haben, gibt es entsprechende Gegenbewegungen, z.Bsp: http://heathensunited.org
http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/k...faschismus-1528
das Netz kann dir da noch weitere Fakten zeigen.
Auch hier im Forum findest du Beiträge, die sich dem Thema "rechts" widmen: //asatruschweiz.forumprofi.de/topic.php?topic=413

Zum anderen kann ich Debbies Vorschlag unterstützen dich "bedeckt" zu halten und "einfach" zu sagen, dass du auf der Suche bist. Dies ist meiner Meinung nach sowieso immer der Fall.
Hatte diesbezüglich mit einem befreundeten Buddhisten schöne Gespräche.
Wir sagen, dass Asatru unter anderem eine Erfahrungsreligion ist.
Wie du dich auch entscheidest, es ist für dein Umfeld nicht leicht, da du andere Wege gehst.
Ich habe mich damals gegen die Konfirmation entschieden und durfte aus Ablehnung meiner Eltern (bin Jahrgang 78 und in der ehemaligen DDR aufgewachsen) keine Jugendweihe machen.
Da fühlte ich mich ziemlich aussen stehend, da andere in verschiedenen Kreisen aufgenommen wurden.
Und dennoch bin ich meinen Weg gegangen ., habe mich gut gesellschaftlich integriert und leiste wertvolle Beiträge.

Ich wünsche dir in diesem Zusammenhang Kraft, Klarheit und Mut!

Die Götter mit dir

Jens


Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.

jensen  
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RE: Vorstellung Arianne und 1. Frage

#8 von Kerry , 27.04.2017 17:27

Auch ich heisse dich herzlich wilkommen bei uns. ^^

Ich weiss nicht, da dein Post schon eine Weile zurück liegt, wie aktuell das Thema noch ist. Auch kann ich mir unter Konfirmation und Jugendweihe und Ähnlichem nur aus Distanz etwas vorstellen. Das einzig ähnliche, dass ich kenne, ist die Bar/Bat Mitzva und auch dort war ich immer nur als Aussenstehende zufällig dabei, da ich zur Zeit nur zum wöchentlichen Schabbat anwesend war, weil ich damals überlegte jüdisch zu werden. Daher kann ich in der Hinsicht wahrscheinlich eh nicht viel Einsicht bieten. Ich habe das Gefühl, dass solche Übergangsrituale in meiner Heimat, der USA, etwas anders angesehen werden. Dort habe ich eher den Eindruck, dass weltliche Übergänge (z. B. Auto fahren lernen, Schule abschliessen, vom Elternhaus ausziehen, Heiraten) eine viel grössere Bedeutung haben als religiöse.

Was ich aber sehr gut nachvollziehen kann ist es in einer Familie zu sein, der auf der einen Seite stark christlich (Missionaren-Familientradition) und auf der anderen Seite atheistisch ist. Dabei geht es bei mir nicht direkt um meine Eltern, die eher mystisch/magisch unterwegs waren, sondern um die übrige Verwandtschaft. Die christliche Hälfte der Familie glaubt wohl immernoch, dass ich mich mit Judentum beschäftige. In vielen Hinsichten kann ich mit ihnen über Sachen reden, die mir wichtig sind. Ich muss sie einfach in anderen Worten fassen (z. B. viele von ihnen lieben auch die Natur, sprechen aber von der "Schöpfung Gottes"). Als Odinanhänger nehme ich meine Beziehung zu ihm genauso ernst wie sie Jesus oder den christlichen Gott nehmen. Daher verstehen sie meine Hingebung viel besser als die Atheistischen Familienmitglieder auf der anderen Seite. Ich rede manchmal von "meinem Gott" und meine damit Odin und sie fassen es wohl auf als würde ich vom monotheistischen Gott sprechen. Wenn es um unsere Gefühle für unsere jeweiligen Götter geht, dann sehe ich es nicht einmal als irreleitend an, denn unsere Gefühle sind ja ähnlich, auch wenn unsere Götter unterschiedlich sind. Manchmal kann man auch Kompromisse schliessen, wie als ich meine Tante davon überzeugen konnte, dass Gott auch mittels Tarotkarten mit jemanden kommunizieren kann. Sie hat sich dann glatt überlegt selber Tarotkarten auszuprobieren, natürlich mit einem Gebet zusammen.

Während meiner jüdisch geprägten Zeit habe ich fasziniert vielen Leuten die Parallelen erklärt zwischen der Folklore um den Prophet Elija und dem Wandereraspekt von Odin. Man geht davon aus, dass der Elija möglicherweise sogar ein Engel sein könnte und es gibt sehr viele Geschichten in denen er als schäbiger Wanderer unterwegs ist und Gastfreundschaft damit belohnt, dass er Weisheit und Rat schenkt. Bei einigen davon könnte man fast meinen, dass sie übernommen wurden, wobei unklar wäre welches Volk es vom anderen abgeschaut hat. Natürlich ist es auch möglich, dass Odin manchmal unter einem anderen Namen vor Juden erscheint. Auf jeden Fall sind die Unterschiede zwischen dem Elija in den heiligen Schriften und den Elija in der Folklore sehr interessant.

Mit der atheistischen Seite der Familie kann ich viel offener sein. Sie verstehen zwar nicht wieso ich überhaupt an einem Gott, geschweige denn an viele Götter glaube, aber sie akzeptieren dass ich so bin. Das kommt aber vielleicht daher, dass sie nicht nur Atheisten, sondern auch "Unitarisch-Universalistisch" sind (falls der Begriff unbekannt ist, siehe http://www.unitarier.at/). Dafür finden sie es sehr interessant sich über meinen Glauben zu informieren. In der USA sind wir aber auch wahrscheinlich etwas abgetrennter von den Nazi-Assoziationen mit Asatru. Dort muss ich eher ab und zu jemanden erklären, dass nicht alle Deutsche Nazis sind. Wenn jemand mich fragt, erkläre ich ganz schlicht, dass jede Religion seine Spinner enthält, die eine recht laute Minderheit bilden. Ich habe z. B. einen Christen anschliessend gefragt, ob er glaubt, die Welt wäre in sechs Tagen erschaffen worden. Er war eher wissenschaftlich unterwegs, also lautete die Antwort "Nein". Dann habe ich ihn gefragt, was er davon halten würde, wenn alle von ihm glauben würden, dass er diesen Glauben hatte, nur weil er ein Christ war. Hätte er es dann nicht begriffen, dann hätte ich ihn gefragt ob er die Hexenverfolgung oder die Kreuzzüge als richtig ansehen würde. Irgendwie kommt man immer an die Leute heran, wenn sie dafür offen sind.

Manchmal gestaltet sich die Sache aber nicht so einfach. Mein Vater hatte lange Zeit starke Vorurteile gegenüber dem Islam. Es war aber nicht so, dass er glaubte alle Muslimen seien Fanatiker oder Terroristen. Er hat uns einfach als Kinder immer wieder erklärt, dass das Islam eine grosse Bedrohung für die "Westliche Kultur" sei, den zum Glück die Franzosen unter Karl Martell bei der Schlacht von Tours in 732 aus Europa vertrieben hatten. Das Problem an seinen Vorurteilen war, dass sie zu schwämmig waren um sie zu widerlegen. Er hatte ja nichts gegen Muslime, an sich, solange sich nicht zu viele davon in der "Westlichen Welt" breit machten. Er war aber, an und für sich, ein vernünftiger Mann (er ist inzwischen verstorben). Hätte ich ihm Beweise vorlegen können, dass das Islam keine Bedrohung sei, so hätte er sie in Betracht gezogen. Hätte er geglaubt, alle Muslime seien Fanatiker oder Terroristen, so hätte ich ihm genug Gegenbeispiele und Statistiken liefern können, dass er seine Meinung geändert hätte. Ich kenne deinen Vater nicht, also kann ich ihn nicht so gut abschätzen. Es gibt aber, auch im Internet, viele Gegenbeweise zu seiner Meinung über Asatru zu finden. Einige wurden auch bereits erwähnt. Du könntest einige zusammensuchen und ihm vorlegen, beziehungsweise anbieten. Du musst nicht einmal sagen, dass du dich selber zum Asatru hingezogen fühlst um die Beweise nüchtern mit ihm zusammen zu besprechen.

Ich weiss nicht ob du unter den Geschichten und Erfahrungen etwas brauchbares findest, aber da stehen sie nun. Auf jeden Fall ist es schön dich im Forum bei uns zu haben.


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